Fersenschmerzen verstehen – und endlich gezielt dagegen vorgehen

Viele Ausdauersportler:innen kennen dieses Gefühl: Kaum ist der erste Schritt am Morgen getan, schießt ein stechender Schmerz durch die Ferse. Beim Gehen oder Laufen wird es besser – nur um später wieder aufzutauchen. Fersenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden, die medizinisch behandelt werden. Doch obwohl das Thema weit verbreitet ist, bestehen immer noch viele Missverständnisse – vor allem, was die Ursachen angeht.


Plantarfasziitis? Nicht ganz.

Oft wird bei Schmerzen an der Fußsohle oder der Ferse von einer „Plantarfasziitis“ gesprochen. Der Begriff suggeriert eine Entzündung – dabei lassen sich in den meisten Fällen gar keine klassischen Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung oder Überwärmung feststellen.

Stattdessen zeigt sich in vielen Fällen eine degenerative Veränderung des Gewebes. Das bedeutet: Die Strukturen sind überlastet und beginnen sich zu verändern – ohne dass eine akute Entzündung vorliegt. Der korrektere Begriff dafür ist Plantarfasziose. Im Gewebe zeigt sich häufig festes, faseriges Material – vergleichbar mit Veränderungen, die auch bei einer Reizung der Achillessehne auftreten.


Woher kommt der Schmerz?

Der Schmerz entsteht typischerweise im Bereich der Ferse und entlang des Fußgewölbes. Manchmal kann er auch auf die Innenseite des Knöchels ausstrahlen. Besonders unangenehm ist die erste Belastung nach dem Aufstehen. Bewegung führt dann meist zu einer kurzfristigen Linderung, bevor der Schmerz im Laufe des Tages wiederkehrt – ein Muster, das viele Betroffene im Alltag und beim Training beobachten.


Das Problem sitzt tiefer – im wahrsten Sinne des Wortes

Wenn neben der Ferse auch die Innenseite des Knöchels betroffen ist, liegt die Ursache oft nicht nur in der Plantarfaszie selbst. Häufig ist der hintere Schienbeinmuskel beteiligt – ein tief liegender Muskel, der vom Unterschenkel bis in den Mittelfuß reicht.

Seine Sehne verläuft über zwei „Umlenkrollen“: zuerst am Innenknöchel, dann über den sogenannten Kahnbeinhöcker zum Mittelfuß. Auf diesem Weg kann es zu Spannungen und Funktionsstörungen kommen, die Schmerzen an Ferse und Knöchel auslösen – auch ohne dass die Sehne selbst bereits sichtbar geschädigt ist.

Ein möglicher Hinweis: Etwa 2,5 cm unter dem Kopf des Wadenbeins lässt sich bei Druck eine Verhärtung ertasten. Diese kann auf eine Störung innerhalb der myofaszialen Einheit hinweisen – eine Art „Vorstufe“ einer sichtbaren Sehnenentzündung oder eines Risses.


Und jetzt? Konservativ behandeln – statt operieren

In den allermeisten Fällen verschwinden die Beschwerden innerhalb von neun Monaten – ohne Operation. Studien zeigen: Selbst nach einem Eingriff bleibt die Funktion des Fußes oft eingeschränkt, und weniger als die Hälfte der Patient:innen ist langfristig zufrieden mit dem Ergebnis.

Die bessere Option: konservative Maßnahmen, die gezielt an den Ursachen ansetzen. Dazu zählen:

  • Triggerpunkte der Plantarfaszie und des hinteren Schienbeinmuskels erkennen und behandeln
  • Gezielte Dehnung der betroffenen Strukturen
  • Den gesamten Fuß- und Unterschenkelbereich funktionell betrachten

Auf den nächsten Abbildungen siehst du die typischen Triggerpunkte und das dazugehörige Gebiet der Schmerzausstrahung bei Fersenschmerzen. Mit einem Triggerpointer kannst du die Triggerpunkte im Anschluss eigenständig lösen.

Die Wirkunsgweise hinter diesem Konzept – die sogenannte Akupressur – kannst du bei Interesse in einem separaten Blog Post nachlesen.

So funktioniert Akupressur – hier lesen

Triggerpunkte, Referred Pain Gebiet und gezieltes Lösen von Triggerpunkten unter dem Fuß

Daneben gilt es potenzielle Triggerpunkte oder akute Verspannungen im hinteren Schienbeinmuskel zu lösen. Diese findest du wie unten dargestellt an der Innenseite des Schienbeins. Da das Gebiet der Schmerzaustrahlung ganz wo anders liegt – nämlich im Bereich der Wade, der Achillessehne und eben der Ferse – wird dies häufig übersehen.

Triggerpunkte, Referred Pain Gebiet und gezieltes Lösen von Triggerpunkten im hinteren Schienbeinmuskel

Fazit: Genau hinsehen – und gezielt handeln

Fersenschmerzen sind kein Zufall und selten „einfach nur Pech“. Oft steckt eine klare muskuläre oder fasziale Ursache dahinter – und wer sie erkennt, kann gezielt daran arbeiten. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Wissen lassen sich viele dieser Beschwerden erfolgreich und dauerhaft in den Griff bekommen.


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Veröffentlicht von Stefan

Ultracyclist, Ironman, Medical Fitness and Endurance Coach

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